„Ich mach alles mit ChatGPT. E-Mails an die Hausverwaltung, das beste Risotto-Rezept finden, den Fahrradurlaub planen.“ So gehört am Tresen, im Telefonat mit der Freundin, im Gespräch mit dem Kollegen. Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Wer sich nicht in einem autarken System selbst versorgt, wird damit in Berührung kommen, freiwillig oder unfreiwillig – zumindest bis zum flächendeckenden Blackout.
Bis vor Kurzem hieß meine Strategie Totalverweigerung. Damit war ich mir selbst gegenüber im Reinen. Denn ich war schon mal nicht für den wahnsinnigen Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs durch KI-Anwendungen verantwortlich.
Pustekuchen. Wenn Logistik, Verkehr und Medizin ihre Prozesse mithilfe von KI optimieren, stecke ich im Schlamassel. Außer ich verzichte beim nächsten Wirbelbruch auf die Auswertung meines MRTs. Und nun?
Ich versetze mich in Gedanken ein paar Jahre zurück. Auch als Google-Suchen aufkamen und zunehmend normal wurden, erfuhren alle, die es wissen wollten: Einmal googeln braucht so viel Strom wie eine Stunde Licht von einer Energiesparlampe. Wie viel Diesel, Pappe, Plastik und Rechenleistung in einer Amazon-Bestellung stecken, war auch nie ein Staatsgeheimnis. Ganz abgesehen von den gesellschaftlichen Verwerfungen durch Aktivitäten von Meta, Musk und Co.
Energiesparlampen sind Geschichte, Googles KI-gestützte Suche ist nur einen Klick entfernt. Aber ich bin endlich bei den Permakultur-Prinzipien angekommen, die fast überall Orientierung bieten können.

Dilettantisch KI-generiertes Symbolbild für Permakultur. Das hättet ihr erkannt, oder?
Beobachte und handle.
Seinerzeit habe ich mich informiert und dann Konsequenzen gezogen. Amazon-Konto nach der zweiten Bestellung aufgelöst, Open-Source-Lösung installiert, Alternativen ausprobiert.
Nutze und schätze die Vielfalt.
Ja, meine Suchergebnisse waren vielleicht „nicht so gut“, was auch immer das bedeutet. Aber sie kamen auch nicht zwingend vom Anbieter mit dem fettesten Budget für Online-Werbung. Tatsächlich scrolle ich oft mit Absicht zum Suchergebnis Nummer elf oder zwölf und lasse mich überraschen, wen es da noch so gibt.
Setze auf kleine, langsame Lösungen.
Ja, es geht nicht so schnell. So what? Meine Lieblingsfrage ist ja bekanntlich „Wofür?“. Zeit sparen, um dann zu meditieren – da geh ich mit. Mit den Nichten spielen oder sich für Gerechtigkeit engagieren: fein. Noch schnell mit der Steuererklärung anfangen: nee. Vom Abhaken wird die To-Do-Liste nicht kürzer, so meine Erfahrung. Es rutscht immer was nach.
Reagiere kreativ auf Veränderung.
Also, bei welchem Umgang mit den desaströsen Zu- und Umständen entsteht ein warmes Gefühl im Bauch? Wo bewegt sich was in eine gute Richtung, statt dass ich mit Anlauf gegen Mauern laufe? Ein Anfang wäre schon mal rausgehen, statt Online-Petitionen unterschreiben.
Mit Menschen reden, auch darüber, was uns Angst macht, wenn überall künstliche Dummheit Einzug hält. Jobverlust und Radikalisierung, Server-Farmen statt Bio-Landwirtschaft. Einer Kiez-Initiative beitreten, eine Müllaktion anleiern, ein Camp mitorganisieren. In meinem Fall heißt eine Konsequenz: weitergeben, was ich bei meinen Recherchen erfahren habe.
Ich schreibe also auf, warum es Unsinn ist, ChatGPT einfache Fragen zu stellen. Wie es ohne extrem gescheite Anleitung (Prompt) zu immer blöderen Antworten kommt, weil das Ding ja nicht denkt, sondern lediglich Muster abgleicht und mir gefallen will. (Für weiße Männer klappt das besonders gut.)
Ich werde mit Eltern darüber reden, was es bedeutet, wenn Kinder und Jugendliche KI-Bilder nicht in Frage stellen. Die Begeisterung über weniger Formularkram auf der Arbeit immer wieder parieren mit Berichten von Vorständen, die pro Jahr zwanzig, dreißig Prozent mehr Leistung fordern, weil es ja KI gibt, und sich die Mitarbeitenden in der gewonnenen Zeit schließlich nicht die Nägel feilen sollen. Hier und da werde ich eine Ode an die Langsamkeit singen. Ich werde die KI nicht aufhalten, aber ich muss ja auch nicht alles mitmachen.
Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen
PS: Dass vor jeglicher KI-Anwendung der Wechsel zur lokalen Bürgerenergie oder zu den Stromrebellen aus dem Schwarzwald stattgefunden haben sollte, ist eh klar, oder?
