Head Wachteln

Wachtelbabies 2020

... ich verspreche es!

Seit über 10 Jahren halten wir jetzt Wachteln, und es hat uns immer eine große Freude bereitet. Aber Federvieh zu halten und einfach mal in den Urlaub fahren, ist nicht so einfach. Selbst wenn Freund:innen einmal am Tag vorbeikommen, um Futter und Wasser zu prüfen, fegte immer ein unruhiger Gedanke durch meinem Hinterkopf. Ist noch genug Wasser im Stall oder haben sie es umgeworfen?

3WachteldamenIm Winter stellt sich die Frage, ob die Wasserheizung läuft, oder ist sie ausgefallen? Reicht das Futter? Gab es ein Unwetter und steht der Stall noch? Und wem mögen wir es zumuten, einmal am Tag vorbeizufahren? Nach langem Hin und Her hatten wir uns im Frühjahr entschieden, die Wachtelhaltung aufzugeben. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch zwei ältere (Henny und Irmi) und eine relative junge Wachtel (Sissy). Letztere war uns im Vorjahr zugelaufen. Der Gedanke, dass die zwei älteren Tiere wahrscheinlich im Laufe des Jahres wegen Altersschwäche das Zeitliche segnen und Sissy dann allein wäre, gefiel uns nicht.

Also fragten wir unseren jungen Nachbarn und bekamen eine ebenfalls zweijährige Henne. Doch die Neue (Lissy) entpuppte sich als äußerst aggressiv, verprügelte die Älteren und musste deshalb erstmal getrennt untergebracht werden. Ein weiteres junges Tier (Emmy), das beim Nachbarn sehr unter den Hähnen gelitten hatte, kam zu uns und verstand sich prima mit den anderen Hennen. Die schlecht gelaunte Lissy konnte mit viel Geduld in die Gruppe eingefügt werden, somit waren wir wieder bei fünf Wachteln. 

Womit wir zu Teil zwei dieser Geschichte kommen:

Der Plan einer wachtelfreien Zukunft war nun schon ins Wanken geraten. Dann beobachteten wir, dass die einst schlecht gelaunte Lissy auf einem Berg (mangels Hahn unbefruchteter) Eier saß und sich nicht mehr wegbewegte. Und ihr Körper glühte ...

Bisher hatten unsere Wachteln null Ambitionen gezeigt, ihre Eier auszubrüten. Oder vielleicht haben wir es einfach nicht mitbekommen, weil es immer heißt, der Bruttrieb wäre den japanischen Legewachteln „erfolgreich weggezüchtet (!)“ worden, Naturbrut sei eine Seltenheit. Tja. Nun hatten wir die Seltenheit vor uns sitzen.

Wir beschlossen also, der Mama in spe ein Erfolgserlebnis zu gönnen und schoben ihr 12 befruchtete Eier aus einem Nachbarort unter. Gut, dass wir diese Wachtelhalterin gefunden haben, denn es war ja nun schon August, also sehr spät für Nachwuchs.

Lissy entpuppte sich als liebevolle Leihmutter. Sie saß tapfer jeden Tag im Nest, wärmte und drehte die Eier und verließ das Nest nur um zu futtern und kackern.

Wachtelnachwuchs1Nach 17 Tagen schlüpften dann gesunde acht Kücken. Drei Eier waren wohl nicht befruchtet und haben wir entfernt. Ein Kücken starb noch im Ei.

Es war wunderbar zu sehen, wie Lissy sich um ihre Adoptivkinder kümmerte. Bisher um jeden Preis verteidigte Leckerlis, also Maden, hielt sie ihren Küken hin. Sie zeigte ihnen, was essbar ist und wie im Sand gebadet wird. Und nicht zu glauben, wie viele Küken unter so ein Federkleid passen!

Für uns war es ein echtes Wunder, die Küken in einem natürlichen Familienverbund aufwachsen zu sehen. Die bisherige Praxis, im Brutautomaten geschlüpfte und unter der Wärmelampe liegende Tagesküken aufzuziehen, kommt uns nach dieser Erfahrung abartig vor.

Jetzt tummeln sich 13 Wachteln im Stall. Alle vertragen sich prima, sind sehr vertrauensvoll und durch nichts aus der Ruhe zubringen.

Da sich allerdings Wachtelhähne auf Dauer nicht vertragen, werden wir die Jungs so nach und nach rausnehmen müssen.

Am heutigen Tag muss ich sagen: Jetzt ist unsere wachtelfreie Zukunft endgültig dahin. Immer wenn ich in den Stall sehe und die Tiere beobachte, dann denke ich … „geht doch nicht ohne!“